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Lifestyle | 25.02.2019

Namaste in Nepal

Im Herzen des Himalaya fasziniert Nepal mit atemberaubender Natur, reicher Kultur und einzigartiger Tradition. Schneebedeckte Gipfel, Tempel und Mönche begleiten unsere Erlebnisreise im Land der Achttausender.

Reizüberflutung, Kulturschock und Akklimatisierungsbedarf – das erste In-Berührung-Kommen mit Nepal lässt sich so wohl am besten beschreiben. Sobald wir den kleinen Gebirgsstaat betreten, der eingezwängt zwischen seinen großen Nachbarn Indien und dem chinesischen Tibet liegt, wird uns klar: Nepal ist eine andere Welt, eine Welt für sich.

Fremd und anders. Die Luft ist gefüllt mit Abgasen, Staub und Lärm. Auf den Straßen, in den Flüssen und auf den Bergen liegen Abfälle. Autos, Busse, Mopeds und Rikschas sowie Fußgänger, streunende Hunde, Kühe und Hühner teilen sich die ungepflasterten und von Schlaglöchern durchzogenen Straßen und Wege. An den Gebäuden sind immer noch die Schäden des Erdbebens aus dem Jahr 2015 sichtbar. Die Strommasten sind ein einziges Kabelgewirr. Toiletten sind meist nur ein Loch im Boden. Und das Leitungswasser ist für unsere Mägen leider nicht verträglich. Der niedrige Entwicklungsstandard und die ökologischen Schäden sind augenscheinlich und können bei einer Reise in das ehemalige Königreich nicht vergessen werden. Vielmehr müssen wir unsere hohen Ansprüche und gewohnten Standards an Komfort, Sauberkeit und Hygiene zu Hause lassen.

Nepals Reichtum. Doch die schönen Seiten Nepals offenbaren sich uns nach dem ersten „Schock“ sofort: Die bunten Häuser, Gewänder und Fahrzeuge bringen die verstaubte Luft zum Leuchten. Farbenfrohe Gebetsfahnen, die von Haus zu Haus und von Baum zu Baum gespannt sind, wehen im Wind und bringen nach buddhistischer Überzeugung die Gebete dem Himmel entgegen. Eine einzigartige, atemberaubende Natur mit Bergen jenseits der 5.000 Höhenmeter prägt das landschaftliche Bild. Jahrhundertealte, detailreich verzierte Tempel und Klöster machen Nepal zu einem einzigen lebendigen Museum. Alleine im Kathmandutal liegen in einem Umkreis von nur 20 Kilometern sieben UNESCO-Weltkulturerbestätten: Die königlichen Plätze, buddhistischen Stupas und hinduistischen Tempel führen Reisende in die Vergangenheit des ehemaligen Königreiches. Die Mönche in ihren purpurnen Gewändern, die eben dort zu finden sind, zeigen die religiösen Seiten des Nepals der Gegenwart. Schlendert man durch die Gassen und über die Plätze der Königsstädte Kathmandu, Bhaktapur und Lalitpur, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Pilgerorte. Schier unaussprechlich ist der Name einer der ältesten buddhistischen Tempelanlagen der Welt, die in Kathmandu zu finden ist: der Stupa von Swayambhunath. Die hoch über der Hauptstadt gelegene Glaubensstätte ist wohl die außergewöhnlichste des gesamten Kathmandutals. Hier treten Reisende in die Fußstapfen von Buddha, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn am Fuße des Hügels befindet sich eine Steinplatte mit den Fußabdrücken des Heiligen. Von dort geht es Schritt für Schritt 365 Stufen hinauf zum Tempelkomplex. Begleitet werden wir auf unserem Weg von den dort lebenden, freilaufenden Affen. Dank diesen ist die Stätte auch als „Affentempel“ bekannt – eine wahrlich leichter auszusprechende Bezeichnung des Wahrzeichens von Kathmandu. Nach dem Aufstieg über die lange, steile Treppe werden wir mit einem wunderbaren Ausblick auf die Stadt und die Umgebung belohnt. Die buddhistische Tradition befolgend, umrunden wir den Stupa im Uhrzeigersinn und drehen die dort befestigten Gebetsmühlen, was Glück bringen soll.

Naturschönheiten. In einem Jeep verlassen wir auf unbefestigten Straßen und in einer nervenaufreibenden Fahrt das bunte Treiben von Kathmandu und tauchen ein in das satte Grün der nepalesischen Natur. Mit dem Mount Everest als höchsten Punkt der Erde und insgesamt acht der 14 Achttausender der Welt ist Nepal prädestiniert für Wanderreisen. Egal ob auf den Gipfel einer der höchsten Berge der Welt oder in die „Vorgärten“ rund um die Achttausender – zum Trekken, Wandern und Bergsteigen ist Nepal ein Paradies. Einer der Gründe für Bergbegeisterte, nach Nepal zu kommen, ist der 8.163 Meter hohe und damit weltweit achthöchste Berg Manaslu. Mit steilen Flanken und zwei kantigen Gipfeln ist der „Berg der Seelen“ eine imposante Erscheinung. Bei wolkenlosem Himmel thront er wie ein gehörnter weißer Bergriese über den darunterliegenden Bergdörfern.

Fern wandern. Als Trekkingroute noch weniger bekannt und im Vergleich zu berühmten Touren wie zum Everest-Basecamp oder zu dem Annapurna-Circuit weniger überlaufen, ist der Manaslu-Circuit keineswegs weniger spektakulär. Der Weg führt uns vorbei an tosenden Wasserfällen, blühenden Reis- und Hanffeldern, über Steintreppen und schwankende Hängebrücken hinein in Kiefernwälder und hinauf zu kargen Felslandschaften. Einsame Bergdörfer sind unsere steten Etappenziele, Maultiere und Yaks unsere Weggefährten. Mit jeder zurückgelegten Tagesetappe tauchen wir tiefer in die nepalesische Bergwelt ein und jeder bezwungene Höhenmeter bringt uns weiter hinauf zur größten Herausforderung des Treks, der Überquerung des Bergpasses Larkya La auf 5.106 Metern. Die Höhe macht sich langsam bemerkbar: Die Luft wird dünner und das Atmen fällt ein wenig schwerer. Doch die Anstrengungen sind vergessen, als wir den Larkya-La-Pass erreichen. Jede Menge Gebetsfahnen im Schnee und ein Schild sind der Beweis, dass wir oben sind. Belohnt werden wir mit dem Ausblick auf die umliegenden Siebentausender, die sich dem tiefblauen Himmel entgegenstrecken. Dieser Glücksmoment, dieses „Wir haben es geschafft“, währt jedoch nur ein paar Schnappschüsse lang, dann geht es auch schon wieder bergab und die Manaslu-Umrundung ist fast geschafft.

Entschleunigung. Für viele mag die Idee, seinen Urlaub mit einer zweiwöchigen Wanderreise zu verbringen, wenig verlockend und vor allem wenig entspannend klingen. Doch ohne Handynetz, WLAN-Empfang und Zeitdruck werden die langen Wandertage in der Natur zur Erholungsphase. Auch die Ruhe und Gelassenheit, mit denen die Menschen in Nepal ihren Tätigkeiten nachgehen, färben ab – auf dieses entschleunigte Tempo würden wir gerne öfter zu Hause herunterschalten. Mit diesem Gedanken, tausenden Eindrücken und neuen Erfahrungen im Gepäck verlassen wir das Wanderparadies. Namaste Nepal!