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Lifestyle | 22.09.2021

Entscheiden ist einfach - wenn man weiß, wie es geht

Jeden Tag treffen wir rund 20.000 Entscheidungen. Eigentlich besteht unser gesamtes Leben aus vielen kleinen Entscheidungen. Das beginnt morgens bei der Wahl der Kleidung und endet am Abend bei der Entscheidung, welchen Film wir schauen wollen. Die meisten Menschen treffen diese Entscheidungen intuitiv und blitzschnell. Aber was ist mit den wirklich schwierigen Entscheidungen? Die Angst vor einem Fehltritt kann einiges an Kraft rauben. Das Buch „Entscheiden ist einfach“ von Philip Meissner gibt Tipps für die Entscheidungsfindung.

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(c) Shutterstock

Sieben Schritte zur guten Entscheidung. Meissner hat sich nicht nur jahrelang intensiv mit Entscheidungsprozessen befasst, er gibt auch Tipps für die Entscheidungsfindung. Dabei hat er sieben methodische Schritte entwickelt, die eine Orientierung auf dem Weg zu einer guten Entscheidung bieten sollen. Er betont dabei, dass es wichtig ist, diese Strategien regelmäßig zu verwenden und zu trainieren, um die eigene Achtsamkeit bei der Entscheidungsfindung zu schärfen. Also raus aus der Endlosschleife des Abwägens zwischen Für und Wider und rein in ein Buch voller praktischer Tipps für jeden Entscheidungsprozess.

 

Was unsere Entscheidungen beeinflusst. Die Angst vor den Konsequenzen einer falschen Entscheidung beeinflusst unser Handeln fundamental. Diese kann uns so sehr lähmen, dass wir die Entscheidung lange Zeit vor uns herschieben und diese verdrängen. Aber wieso haben wir damit oft Probleme? Schuld sind häufig eine Reihe psychologischer Faktoren. Diese verzerren nicht nur unsere Wahrnehmung, sie beeinflussen auch systematisch, wie wir uns entscheiden. Grund dafür ist, dass unsere Denkprozesse durch zwei verschiedene Systeme beeinflusst werden. Meissner beschreibt dabei, dass es ein schnelles und unbewusstes System gibt sowie ein langsames und bewusstes. Das schnelle System führt oft zu emotionalen Entscheidungen, wohingegen das langsame System bei logischen Entscheidungen hilft. Leider ist Letzteres nur selten aktiv. Als Beispiel verwendet er dabei das Glücksspiel. Rational ist es eher unwahrscheinlich zu gewinnen. Und doch lassen sich viele Menschen dabei von ihren Emotionen und der Hoffnung, zu gewinnen, leiten.

Gute und schlechte Entscheidungen. Laut Meissner ist der häufigste Fehler, unsere Entscheidungen nach dem Ergebnis zu beurteilen. Wenn man sich beispielsweise entschieden hat, den Job zu wechseln, und mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, lautet die logische Schlussfolgerung meistens: Ich habe keine gute Entscheidung getroffen. Jedoch können wir zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Entscheidung treffen, unmöglich alle Folgen daraus absehen. Denn die Zukunft wird von vielen Faktoren beeinflusst, die nicht in unserer Kontrolle liegen. Deswegen ist es wichtig, die Entscheidung immer ausschließlich zu dem Zeitpunkt zu beurteilen, an dem wir die Entscheidung getroffen haben. Wichtiger ist es, den Prozess zu beurteilen, den wir für unsere Entscheidung angewendet haben. Aber wie sollte dieser Entscheidungsprozess aussehen?

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Schritt 1: sich von Ablenkungen freimachen. Ein großes Problem sei, dass wir uns in unserem Entscheidungsprozess viel zu sehr auf vordergründige Probleme fokussieren und zu wenig auf das Hauptproblem. Meissner nennt hier das Beispiel eines Angestellten, der kaum noch ins Büro geht und sich fragt, ob er seinen Job kündigen soll. Dabei vergisst er jedoch, das richtige Problem zu identifizieren. Das eigentliche Problem ist sein Chef, mit dem er sich immer wieder streitet. Anstatt also zu kündigen, könnte es hier genügen, die Abteilung innerhalb des Unternehmens zu wechseln. Meissner gibt hier den Tipp, sich folgende Frage zu stellen: „Wenn das Problem, das ich gerade lösen möchte, nicht das wahre Problem wäre, was könnte es noch sein?“ So weitet man den Blickwinkel aus.

Schritt 2: unabhängig handeln. Um durchdachte Entscheidungen zu treffen, sollte man sich erst einmal von äußeren Faktoren freimachen. Oft beeinflussen die Wünsche der eigenen Familie oder von Freundinnen und Freunden die eigene Entscheidung. Außerdem läuft man so Gefahr, sich an der Mehrheitsmeinung zu orientieren. Um jedoch langfristig glücklich zu werden, sollte man unabhängig handeln. Natürlich ist es wichtig, auch Rücksicht auf andere Personen zu nehmen. Dabei sollte man sich bewusst sein, ob man Entscheidungen für sich selbst oder für andere trifft.

Schritt 3: kritisch hinterfragen. Leider hängen wir oft viel zu sehr an unserer eigenen Meinung. Schließlich haben wir schon lange über das jeweilige Thema nachgedacht und sind uns sicher, dass wir Vor- und Nachteile gründlich abgewogen haben – das glauben wir zumindest. Leider sind wir oft weniger objektiv und unvoreingenommen, als wir dachten. Dies nennt Meissner den „Bestätigungsfehler“. Denn neue Informationen interpretieren wir gerne so, dass sie in unsere Ansichten passen. Oft steht uns auch unser eigenes Ego im Weg. Deswegen rät Meissner, Kritik nicht persönlich zu nehmen und bewusst auf die Anmerkungen von Kritikerinnen und Kritikern einzugehen.

 

Schritt 4: Ideen auf die Probe stellen. Oft fällt es uns schwer, über die negativen Folgen unserer Entscheidungen nachzudenken. Meistens wenn es um unsere Zukunft geht. Jedoch ist es wichtig, unsere Entscheidungen vorher auf die Probe zu stellen. Meissner empfiehlt dabei einen Stresstest. Dabei soll man sich vorstellen, dass die eigene Entscheidung und das daraus resultierende Ergebnis gescheitert sind. Danach denken wir automatisch über die Ursachen für das mögliche Scheitern nach und bewerten, wie realistisch die Umsetzung dieser Maßnahmen ist. Ist der Stresstest überstanden, kann man sich sicher sein, dass die Entscheidung auf Basis einer umfassenden Analyse getroffen wird.

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Schritt 5: eine Nacht darüber schlafen. Auch wenn es wie eine alte Volksweisheit klingt: Es hilft, eine Nacht über die eigene Entscheidung zu schlafen. Denn Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Neurowissenschaft zeigen, dass dies tatsächlich unsere Entscheidungsfindung verbessert. Indem wir über unsere Entscheidungen schlafen, nutzen wir unterbewusste Denkprozesse und können kreativer entscheiden. Meissner geht hier näher auf einen Fehler ein, den viele machen. Viele glauben, sie hätten lange genug über etwas nachgedacht, dabei laufen die entscheidenden Denkprozesse unterbewusst. Zeit also für ein Nickerchen! 

Schritt 6: Blick in die Zukunft. Bei der Entscheidungsfindung sollten wir uns die folgenden drei Fragen stellen: „Welche Auswirkung hat meine Entscheidung in zehn Minuten? Welche hat sie in zehn Monaten? Und welche in zehn Jahren?“ Mithilfe dieser Fragen gelingt es uns, Klarheit über die Entscheidung zu erhalten. Denn viele Entscheidungen, von denen wir glauben, sie würden unser Leben fundamental ändern, haben meist gar keinen so großen Einfluss. Dabei sollte auch über die positiven Folgen nachgedacht werden.

 

Schritt 7: eine Deadline setzen. Der letzte Schritt von Meissner klingt einfach, ist für viele jedoch sehr schwer. Wir müssen die Entscheidung, für die wir uns entschieden haben, auch offiziell machen Ω uns also wirklich auf etwas festlegen. Denn vielen Menschen passiert es, dass sie in der finalen Entscheidungsphase anfangen zu zweifeln. Haben wir alles berücksichtigt? Sind wir uns wirklich sicher? Wir können nicht in die Zukunft schauen und uns nie auf alle Eventualitäten vorbereiten. Wir können immer nur auf Basis von Informationen entscheiden, die wir zu diesem Augenblick haben. Wer sich immer wieder fragt: „War meine Entscheidung richtig?“ gerät nur in einen Teufelskreis und wird nie richtig Entscheidungen treffen. Wichtig ist es also, sich eine Deadline zu setzen. Studien zeigen sogar, dass Deadlines unser Verhalten steuern. Vor allem, wenn wir diese öffentlich machen und unseren Mitmenschen mitteilen.

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Zum Nachlesen: Entscheiden ist einfach von Philip Meissner Campus Verlag ISBN 978-3-593-44115-3 € 20,– (c) Hersteller

Die Qual der Wahl. Mit den sieben Schritten können wir nun wichtige Entscheidungen mithilfe einfacher Prozesse treffen. Meissner betont dabei immer wieder, wie wichtig es ist, diese regelmäßig anzuwenden und zu trainieren. Denn nur so können wir uns den Prozess einverleiben – Entscheidungen zu treffen ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann. Unser Gehirn entwickelt sich immer weiter und meistert so neue Herausforderungen mit jeder neuen Entscheidung immer besser.