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Lifestyle | 07.06.2022

Beflügelt von den Bienen

Künftig soll es auch in Salzburg kräftig summen: Der Verein Bienenschutzgarten sucht einen Standort, der den wertvollen Insekten ein Zuhause gibt.

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(c) Ebihara Photography

Anton Erlacher, Gründer und Präsident des Bienenschutzgartens lebt in Salzburg und plant, nun auch den Hauptsitz von Wien in unser Bundesland zu verlegen. Dafür sucht er nach einem geeigneten Standort mit Wiesenflächen. Wir möchten ihn dabei gerne mit einem Aufruf an unsere Leser:innen unterstützen.


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(c) Ebihara Photography

Unser Salzburg: Man hört überall, dass die Bienen bedroht sind. Wie sieht die aktuelle Lage aus?
Anton Erlacher: Die weltweite Staatengemeinschaft hat sich im vergangenen Jahrzehnt den Schutz der Bienen groß auf die Fahnen geschrieben, doch zielgerichtet gehandelt wurde kaum. Erfreulicherweise haben sich in Folge des dramatischen Bienensterbens die Menschen zunehmend für das Wohl der Honigbienen sensibilisiert. Zumeist bleiben sie jedoch in dem Glauben, dass es nur eine größere Anzahl von Imker:innen braucht, um dem Bienensterben entgegenzuwirken. Die Imkerei wurde in vielen Ländern, so auch in Österreich, stark gefördert. Gemäß dem Motto „Je mehr Imker:innen, desto besser geht es den Bienen“. Doch die Realität sieht anders aus. Die Existenz der Bienen ist nach wie vor weltweit in Gefahr. 


Welche Faktoren beeinflussen die Bienengesundheit und damit das Überleben der Bienen?

Das Bienensterben ist Teil eines globalen Artensterbens, das inzwischen erschreckende Ausmaße angenommen hat. Der enorme Einsatz von Pestiziden ist die Hauptursache für den massiven Verlust der Artenvielfalt. Hand in Hand mit der chemieabhängigen Landwirtschaft geht die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen und Lebensgrundlagen der Bienen. Auf den Monokulturen finden die Bienen kaum noch Pollen und Nektar, viele der Insektizide sind hochtoxisch.


Was würde es für uns Menschen bedeuten, wenn die Bienen aus unserem Ökosystem verschwinden?
Die Bedeutung der Honigbienen für das Gedeihen des Lebens auf unserem Planeten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie sind einzigartig, da sie als ganzes Volk überwintern und im Frühjahr bereit sind, großflächige Obst- und Gemüsekulturen effektiv zu bestäuben. Bis zu 80 Prozent unserer Nahrungspflanzen sind davon abhängig, sie sichern also das Fundament unserer Ernährung. Und sie schenken uns jedes Jahr wieder die Schönheit der blühenden Natur. 


Wo finden unsere Bienen heutzutage noch Nahrung?
Unsere Honigbienen finden kaum noch ausreichend Nahrung. Für ihr Überleben und um den Honigertrag zu sichern, füttern die Imker:innen selbst mitten im Sommer ihre Bienen mit Zucker. Von blütenreichen Lebensräumen sind wir leider meilenweit entfernt. Hoffnung gibt die Biolandwirtschaft. Mit jeder biologisch bewirtschafteten Fläche steigt das für die Bienen sichere Nahrungsangebot. In seinem nun zehnjährigen Bestehen hat der Bienenschutzgarten sehr viele Menschen für die Notlage der Bienen sensibilisiert. Im Rahmen unserer jährlichen „Aktion Blühende Landschaft“ entstanden bereits tausende Quadratmeter Blühflächen. 


Was brauchen Bienen, damit sie so leben können, wie es für sie bestimmt ist?
Die Basis sind, wie gesagt, blütenreiche, biodiverse und pestizidfreie Lebensräume. Nicht weniger wichtig ist ein Umdenken in der Haltung unserer Bienenvölker. Weg von der Ertragsmaximierung, in der Honigbienen nur noch auf Nutztiere getrimmt werden, hin zu einem neuen Verständnis für diese besonderen Lebewesen. Was sind ihre natürlichen Bedürfnisse und Zyklen? Wie gehen wir mit dem Gesamtorganismus Bienenvolk um?

Der Bienenschutzgarten ist eine gemeinnützige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, wie der Name schon sagt, die Bienen zu schützen. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Überleben der heimischen Honigbienen langfristig zu gewährleisten. Die Frage „Wie viel Honig kannst du maximal aus den Bienen herausholen“ stellen wir grundsätzlich anders: „Was brauchen die Honigbienen, um wieder gesund und vital zu werden und dem Ansturm aller schädlichen Einflüsse Stand zu halten?“ Seit nunmehr zehn Jahren basiert unsere Arbeit für den Schutz der Honigbienen auf drei Ebenen. Zum einen fördern wir die Schaffung und Erhaltung von Blühflächen. Der zweite Bereich ist eine wesensgemäße, biologisch-dynamische Bienenhaltung. Unsere Arbeit ist seit Beginn von Rudolf Steiner inspiriert, der uns die spirituelle Dimension des Organismus Bien, das ist das Bienenvolk als Ganzes, nähergebracht hat. Eine wesensgemäße Bienenhaltung respektiert die natürlichen Lebensäußerungen der Honigbienen, lässt sie zum Beispiel ihre Waben bauen und schwärmen. Ein dritter und ebenso wichtiger Teil ist Bewusstseinsbildung. Auf der praktischen Ebene bietet der Bienenschutzgarten unterschiedlichste Veranstaltungen und Aktivitäten an. Kurse für wesensgemäße Bienenhaltung, Praxistage, Bienenlehrtage mit Schulklassen, Vorträge, Workshops und vieles mehr.


Für Gärten, die sich als wahres Bienenparadies präsentieren, gibt es von der Organisation eine Auszeichnung. Wie bekommt man diese Plakette?
Haus- und Kleingärten können die Nahrungsgrundlage für die Bestäuberinsekten um ein Vielfaches verbessern. Vor vier Jahren haben wir daher eine Auszeichnungsplakette für private Bienenschutzgärten ins Leben gerufen. Damit wollen wir Gartenbesitzer:innen in ganz Österreich motivieren, ihre Gärten zu ökologisch wertvollen und für Bienen sicheren Lebensräumen zu machen. Wir dürfen uns über großes Interesse freuen. Die Auszeichnungsplakette kann über die Homepage des Bienenschutzgartens beantragt werden.

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(c) Ebihara Photography