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Lifestyle | 07.12.2018

Die Kraft der Stille

Viele Schicksalsschläge bestimmten jahrelang das Leben von Karin Duschl. Durch einen Bekannten kam die Flachgauerin auf die Idee zu meditieren. Von da an nahm sie sich dafür täglich bewusst Zeit. Wir von look! Salzburg haben uns mit der lebensfrohen Meditations-Expertin getroffen und darüber gesprochen, wie sehr sich ihr Leben durch Meditation verändert hat.


Wir lernen Karin Duschl an einem Samstagvormittag bei einem Meditationskurs in Salzburg kennen. Mit einem freundlichen Lächeln und einem Händedruck begrüßt sie jeden einzelnen Kursteilnehmer. Wir nehmen auf einer der Matten Platz, die bereits auf dem Boden verteilt sind. In den folgenden zwei Stunden zeigt sie uns verschiedenste Meditationstechniken und erzählt uns zwischendurch immer wieder von Meilensteinen in ihrem Leben und wie sich dieses durch einfaches Meditieren zum Besseren entwickelt hat.

 


Das Leben, wie es war. „Vor fünf Jahren habe ich mit der Meditation begonnen“, erzählt Karin Duschl. „Mein Leben hat sich in dieser Zeit komplett verändert, man würde mich auch optisch gar nicht wiedererkennen“, lacht sie. Gespannt hören wir ihr weiter zu. „Ich bin in Oberndorf geboren und war die Jüngste von insgesamt elf Kindern“, sagt die Expertin und hält kurz inne, bevor sie weiterspricht. „Meine Kindheit war nicht leicht, mein Vater war gewalttätig und alkoholabhängig.“ Oft wurden sie und ihre Geschwister geschlagen, ihre Mutter konnte nur hilflos zusehen. Im Alter von zehn Jahren kam dann ein weiterer Schicksalsschlag hinzu. Sie wurde vom Sohn ihres Nachbarn missbraucht. Mit niemandem konnte sie reden, sich niemandem anvertrauen. Jahre später wurden ihre Eltern krank, sie pflegte sie, bis sie schließlich starben, als Karin 20 Jahre alt war. „Ich lernte danach meinen Ehemann kennen, bekam zwei Kinder und führte 30 Jahre lang den Haushalt, arbeitete als Buchhalterin und war zum Schluss im Verkauf tätig“, erzählt sie. „Ich habe immer funktioniert – als Ehefrau, als Mutter und im Berufsleben. Alle konnten sich auf mich verlassen, ich war da, wenn man mich brauchte, vergaß aber dabei immer mehr auf mich.“

Lebenswandel. Eines Morgens wachte sie auf. Mit Schmerzen im Ohr. „Ich hatte einen wahnsinnigen Druck im Kopf und war plötzlich taub“, erinnert sie sich. Der Arzt verschrieb ihr Medikamente, insgesamt zehn Tabletten nahm sie täglich – gegen ihre Schmerzen, um einzuschlafen, um aufzuwachen. Jahrelang. Sie wog mittlerweile über 90 Kilogramm und kümmerte sich trotz ihrer Schmerzen um Familie, Freunde und Arbeit. Dann folgte ein weiterer Schlag: Diagnose Darmkrebs. Sie wurde notoperiert. Eines Tages traf sie zufällig auf ihren Bekannten Andreas, den sie schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er erzählte ihr von seinen Reisen nach Indien und davon, wie er dort die verschiedensten Meditationstechniken kennenlernte. Karin interessierte sich dafür und begann gleich am nächsten Tag – zwei Stunden am Vormittag, zwei Stunden am Abend – zu meditieren.

Freude am Leben. Mittlerweile sieht das Leben von Karin Duschl ganz anders aus. Sie absolvierte eine Meditations-Ausbildung am WIFI in Salzburg und lernte dabei unterschiedliche aktive und passive Meditationstechniken kennen. „Es gibt so viele Arten zu meditieren“, sagt sie begeistert. „Angefangen von aktiven Techniken wie Tanz- und Schüttelmeditation über Stimmtechniken wie Schreien oder Babybrabbeln bis hin zu geführten Meditationen und Sitzmeditationen“, erklärt sie. Dabei geht es bei allen Techniken um eines: das „Sich-selbst-Bewusstwerden“. „Das Schöne ist, dass man Meditation immer und überall machen kann“, so die Expertin. „Man muss nur seine eigene Weise herausfinden, sei es beim Radfahren, Wandern, Malen oder eben bei einer Meditationstechnik. Eigentlich ist alles Mediation, wenn man etwas bewusst macht“, lacht sie und fügt hinzu: „Man staunt, was sich plötzlich alles im Leben dadurch verändert.“Bei Karin Duschl war das so. Von einem Tag auf den anderen setzte sie ihre Medikamente ab, die sie täglich genommen hatte. Sie verlor innerhalb kürzester Zeit über zehn Kilo, kündigte ihre Arbeitsstelle und ist dabei, sich von ihrer langjährigen Beziehung zu lösen. Die Schmerzen in ihren Ohren hörten auf und insgesamt fühlte sie sich leichter und freier denn je. „Die Meditation hilft mir, mir selbst bewusst zu werden, das heißt auch, mich meinen Ängsten zu stellen, meine Wünsche zu erkennen und Dinge und Menschen loszulassen, die für mich nicht gut sind“, sagt Karin Duschl.

Im Hier und Jetzt. „Jeder kann meditieren“, ist die sympathische Flachgauerin überzeugt. „Zu mir kommen hauptsächlich Frauen aus allen Altersklassen und aus allen Berufsschichten“, erzählt sie uns. Dabei bietet sie neben Gruppen-Meditationen auch private Meditationsbegleitung an. „In einer Meditation kommen kreisende Gedanken zur Ruhe, man geht in die Stille und Entspannung und kann sich selber beobachten. Im Idealfall verhilft es, im Hier und Jetzt anzukommen“, sagt die Expertin. „Wichtig ist mir, anderen zur Selbsthilfe zu verhelfen“, betont Karin Duschl. „Und es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich die Menschen durch so einfache Techniken positiv entwickeln. Man sieht, wie wichtig es für das eigene Wohlbefinden ist, vom Stress und vom schnellen Leben bewusst abzuschalten, innezuhalten und einfach nur im Augenblick zu sein.“