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Lifestyle | 28.06.2021

Ein Anker fürs Leben

Wer oder was gibt einem Halt im Leben? Mit dieser Frage durchquerte Erik Schnaitl in der Karwoche von Salzburg aus das Salzkammergut mit einem 60 Kilogramm schweren Anker, der als Symbol für feste und tiefe Verbindungen sowie für das Vertrauen ins Leben steht. Gleichzeitig diente der Anker auch als Blickfang und sollte Menschen dazu ermutigen, ihre Geschichten zu erzählen.

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(c) Thomas Kirchmaier

Beobachtet man Schiffe am Anker, so kann man erkennen, dass sie bei Seegang die Position halten, aber dennoch auf und ab schaukeln können. Die Ankerkette lässt genug Spielraum, Verankerung bedeutet also nicht festes Verharren, sondern mit dem Grund verbunden zu bleiben ohne abgetrieben zu werden. Es bedeutet Halt und Sicherheit, der Standpunkt wird gehalten, geht aber gleichzeitig mit der Bewegung der Umgebung mit. Was sind also Anker im Leben der Menschen, die Halt und gleichzeitig genug Flexibilität geben? Der 44-jährige Salzburger Erik Schnaitl trat mit dieser Frage eine Wanderung an, um Menschen zu 
begegnen und im Gespräch eine Antwort zu finden. Wir haben uns mit ihm über seine Ankerge(h)spräche unterhalten.


Unser look! Salzburg: Herr Schnaitl, wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit einem Anker auf Wanderung zu gehen? Was waren Ihre Gedanken dazu?

Erik Schnaitl: Ich war gelangweilt von den immer gleichen Nachrichten, es drehte sich alles nur noch um den Virus und die Pandemie. Dabei gab und gibt es so viele andere Themen im Leben. Aus diesem Grund wollte ich einen Hoffnungsmarsch antreten, da meine größte Stärke das Gehen ist. Nach längerem Überlegen kam ich aber zu dem Schluss, dass Hoffnung zielgerichtet ist, mit Erwartungen verbunden – und ich war mir nicht sicher, ob sich die Situation überhaupt bessern würde. Daher habe ich mich für den Begriff Vertrauen und für das Symbol des Ankers entschieden. Den Anker habe ich über eine Internetplattform gekauft. Es handelt sich hierbei um einen Anker aus dem Jahr 1914, der zu einem Donaudampfschiff gehörte. Diesen habe ich auf meinen Fahrradanhänger gepackt und bin losgegangen. Meine drei Mitbewohner haben mich die ersten Tage begleitet, sie gaben mir sozusagen den Antrieb und waren mein Booster für den Start.


Welche Reaktionen, Gespräche und Eindrücke haben Sie auf Ihrem Weg gesammelt? Was ist der Anker im Leben der Menschen, die Sie getroffen haben?

Ich war auf meiner Reise mit einem Mikrofon ausgestattet und habe etwa 20 bis 25 Menschen im Laufe meiner Wanderung interviewt. Dabei sind viele tiefgehende Gespräche entstanden. Ein roter Faden zog sich in den meisten Gesprächen über den Halt und Anker des Lebens durch: Es waren Begriffe wie Familie, Gesundheit, Beziehung, sinnstiftende Tätigkeiten und Vertrauen ins Leben. Die Menschen, die mir begegnet sind, waren sehr interessiert und aufgeschlossen. Man merkte die Sehnsucht des Austauschs, die Freude an Kontakt und Gesprächen. Die Interviews habe ich übrigens auf meiner Facebookseite „Fairankern“ veröffentlicht. 


Was haben Sie persönlich von der Ankerwanderung mitgenommen?

Anker bedeutet nicht nur Halt, sondern auch Flexibilität. Nicht auf einer Stelle stehen bleiben zu müssen, sondern Acht geben, wo man seinen eigenen 
Anker hinstellt. Es ist wichtig, dass der Anker zu einem selbst passt, denn ein Anker kann auch zerstören. Die Eigenständigkeit, den Anker selber zu setzen, unabhängig von äußeren Umständen. Außerdem bedeutet Halt auch, auf mich zu schauen, sich Ruhepausen zu gönnen, sich zu versorgen.

Was ist Ihr eigener Anker im Leben?

Meine körperliche Fitness, die mich in vielen Momenten trägt. Das Vertrauen ins Leben, anzunehmen, was ist. Übrigens ist am gleichen Tag, als ich den Anker bekommen habe, auch meine jetzige Freundin ins Leben getreten. Diese Beziehung gibt mir ebenfalls Halt, so bekommt der Anker nochmal eine stärkere Bedeutung für mich.


Haben Sie ein Lebensmotto?

„Die Seele geht zu Fuß“ – das heißt für mich, dass in Zeiten, in denen alles schnell gehen muss und vieles immer mehr beschleunigt wird, man oft die Verwurzelung verliert. Um anzukommen, braucht es aber eine gewisse Zeit, dann kommt auch die Seele zur Ruhe.