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Lifestyle | 23.11.2021

Ein Halleluja auf den Pater Franz

Er holt verlorene Schäfchen im Bräustüberl wieder in die Kirche zurück, mit seinem Saxophon begrüßt er neues Leben und verabschiedet Verstorbene und in seinem Friedhof können ganz lebendige Leute ihre letzte Ruhestätte aussuchen.

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(c) Unser Salzburg

Mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen fragt Pater Franz: „Wenn du die Figuren anschaust, fällt dir da was auf?“ „Nun, die Augen sind nicht gleich groß? Oder ist da was am Bart?“, antwortete der Besucher des Friedhofes in Mülln. „Nein, nein, schau genau, was fällt dir auf?“, ruft der Pfarrer aufgeregt. Um ein wenig nachzuhelfen, stellt er sich direkt neben die rechte Statue. „Ah, jetzt hab ich’s. Der schaut aus wie du!“, ruft der Betrachter und bekommt nun endlich die Zustimmung von Pater Franz. „Ich habe für die Skulptur, die neben dem Heiligen Benedikt steht, als Modell gedient“, verrät der Pfarrer von Mülln erst schmunzelnd und dann doch ein wenig ernst: „Die Figur des Heiligen Benedikt passt insofern gut in den Friedhof, weil Benedikt in seinem Leben gesagt hat, du sollst tagtäglich das Sterben vor Augen haben, aber nicht in Angst, sondern mit einem liebenden Blick für die Ewigkeit.“


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(c) Unser Salzburg

Beten im Bräustüberl. Dass er aber nicht nur als Vorlage für die Statue, sondern ein großes Vorbild für seine Schäfchen ist, das hat er auf seine ganz eigene Weise bewiesen. So ist Pater Franz dafür bekannt, dass er von der Kirche ausgetretene Seelen bei einem Besuch im Augustiner Bräustüberl wieder zurückholt. Die Methode, die er dafür anwendet, darf man durchaus als himmlische Marketingmasche bezeichnen: „Ich mache einen Aufruf im Radio, dass ich zu einer bestimmten Zeit im Bräustüberl sitze, und wenn jemand mit mir sprechen möchte, bin ich gerne für den Menschen da. Und da sind sie dann glatt gekommen, die Leute haben mir ihre Geschichten erzählt. Wir haben miteinander gebetet und gesungen. Schließlich haben sie beschlossen, wieder in die Kirche einzutreten“, erzählt Pater Franz über seine geglückte göttliche Rückholaktion. Immerhin hat er so in sieben Jahren schon an die 115 Abtrünnige im Alter zwischen 21 und 85 wieder bekehrt. Dass er einmal an einem Abend sogar acht auf einen Schlag wieder zurückgeholt hat, ist sogar für ihn heute noch unglaublich.

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(c) Unser Salzburg

Liebe und Lausbubenstreiche. Der Glaube an den Herrn begleitet ihn auf Schritt und Tritt und als bekennender Benediktinermönch lebt er in einer liebenden Güte, die ihn zu einem wahrhaften Gottesboten macht. Wo denn der liebe Gott für ihn wohne, wurde er gefragt. „Im Herzen eines jeden Menschen, Gott hat uns ins Herz geschlossen und dies lässt mich auch mit jedem Menschen ganz behutsam sein. Was nicht heißt, dass ich mich nicht auch einmal ärgere, wenn ich wieder einen Kratzer im Auto hab. Herrschaft nochmal, das ist ja wirklich mehr als ein Lausbubenstreich“, sagt er und sorgt trotz ernster Miene für einen Lacher.

Virtuos in jeder Lebenslage. In seinem Leben hat eben alles Platz: Die Liebe, der Humor und auch die 
Musik kommt nicht zu kurz. Weil, wie er 
sagt, bei all der Gottes- und Nächstenliebe die Selbstliebe oft auf der Strecke bleibt, hat er erst mit 70 angefangen, Saxophon zu spielen. Anfänglich hat er sich die Grundkenntnisse bei einem Lehrer geholt, doch für den Rest hat er seinen ganz eigenen Notenschlüssel gefunden. „Ich hab null können, aber mir nach und nach viele Stücke selber beigebracht.“ Spricht’s und greift sogleich zum Blasinstrument, setzt an und beschallt die Müllner Kirche mit einer virtuosen Darbietung. Seine Freude an der Musik gibt er gerne und oft spontan an die Menschen weiter. So hat es sich zugetragen, dass Pater Franz am Michaelitag in seiner Heimatgemeinde Michaelbeuern den Leuten im dortigen Kloster ein Ständchen vorgetragen hat. Manchmal nimmt er sein Saxophon und lässt die Klänge vom Fenster des Müllner Pfarrhauses hinausklingen: „Gegenüber ist das Spital und da hören mich die Mamis, die gerade ihre Babys entbinden“, sagt er mit einem Strahlen im Gesicht, weil er die neuen Seelchen in seiner Art auf der Welt begrüßen darf.

Nie allein dank Jesus. Aber auch die, deren Lebensweg auf der Erde zu Ende ist, werden von ihm musikalisch verabschiedet. „Einmal ist eine Dame nach dem Begräbnis ihres Mannes zu mir gekommen. Ich hab genau das Lied gespielt, dass er immer bis zu seinem Tod gesungen hat. So hat die Frau Trost über die Musik erfahren, den man mit Worten gar nicht ausdrücken kann“, erzählt er sichtlich berührt, während er durch „seinen“ Friedhof spaziert: „Die Größe und die Weite Gottes spiegelt sich da bei uns wider. Egal, welche Religion, welche Hautfarbe, welche Nation, hier kann jeder begraben werden.“ Menschen, die schon zu Lebzeiten ihre Grabstätte auswählen möchten, können dies am Friedhof Mülln tun. 300 Plätze sind bereits reserviert. „Ein Ehepaar mittleren Alters aus Luxemburg ist zu mir gekommen und hat mir gesagt, es würde ihnen hier so gut gefallen, dass sie hier ein Grab möchten. Diesen Wunsch hab ich den beiden gerne erfüllt“, so Pater Franz. Sein Blick wandert über die Steinmauer hin zur „Himmelswiese“, die sich sanft an den Hügel vor dem Gotteshaus schmiegt. Das Jahr geht zur Neige und Weihnachten ist nicht mehr weit. Am Weihnachtstag hält er nachmittags die Christmette für die Altenheimbewohner:innen ab, dann räuchert er das ganze Pfarrhaus. Den Heiligen Abend verbringt er als Priester von Mülln stets allein mit Gebeten, Liedern und seinem Instrument: „Dann nehme ich eine bescheidene, gute Mahlzeit ein und mache eine Besinnungspause, bevor der Chor in die Kirche kommt, um sich für die Mitternachtsmette vorzubereiten. Einsam habe ich mich noch nie gefühlt, auch wenn ich allein bin, denn Jesus ist immer bei mir. Der Ausgangspunkt unserer Kirche ist Jesus und sein Leben. Er ist den Menschen stets auf Augenhöhe und mit Erbarmen begegnet.“