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Lifestyle | 10.09.2018

Lieblingsfarbe: Bunt!

Christian Valenta hat das gemacht, wovon viele ein Leben lang träumen. Er ist seiner Berufung gefolgt, hat, wie er sagt, „auf sein Herz gehört“ und ist mit 49 Jahren noch einmal völlig neu durchgestartet. Mit look! Salzburg spricht er über seinen Weg vom Autoverkäufer zum erfolgreichen Maler und Künstler.

Wir sitzen inmitten der prallen Buntheit zwischen Gemälden, Skulpturen, Farbtöpfen und Pinseln an einem schlichten Tisch mit Glasplatte. Im Hintergrund läuft David Bowie. Der Blick fällt auf die Gravuren in der Tischplatte. „Liebe“ steht da. Und „Amore“, „Amour“, und ganz viele Wörter, die wahrscheinlich alle dasselbe ausdrücken. Ich frage nach. Was hat es denn so auf sich mit der Liebe? „Alles, was wir tun, soll von Liebe geprägt sein“, antwortet der Künstler Christian Valenta. „Ich meine nicht nur die Liebe zum Partner. Die Liebe zu allem, zu den Dingen, zum Nächsten, zur Umwelt, zu deinem Tun und Schaffen und vor allem: zu dir selbst.“ Dass Valenta das, was er tut, mit Liebe tut, steht außer Zweifel. Es ist an dem Leuchten seiner Augen, seiner Körpersprache und natürlich seinen Kunstwerken abzulesen.Doch beginnen wir am Anfang … Nach Abschluss seiner Schulzeit absolvierte der gebürtige Salzburger eine Lehre zum Kfz-Mechaniker. Dieser Branche blieb er 35 Jahre treu. Die letzten zehn Jahre vor seinem beruflichen Ausstieg aus der Welt des Automobils war er äußerst erfolgreich als Autoverkäufer tätig. „Obwohl mir der Job Freude machte, ich gerne Menschen beraten habe, wusste ich, da gibt es noch mehr“, erinnert sich Valenta zurück. Und was dieses „Mehr“ war, wurde Christian Valenta im Laufe der Zeit immer deutlicher bewusst. Mit 30 Jahren hat er begonnen zu malen. Als Hobby und „so nebenbei“.

Vom Hobby zum Beruf. Als sich sein Freundeskreis zu einer Malrunde traf, wurden Stimmen laut wie „Du solltest malen!“ oder „Christian, mach’ was aus deinem Talent!“. Valenta zögerte nicht lange und initiierte den ersten Schritt in Richtung Karriere als freischaffender Künstler und Maler: Er meldete sich an der Volkshochschule zu einem Malkurs an. Danach ging es Schritt auf Schritt: Seine Freizeit und seine Urlaube nutzte er für Kurse an diversen Mal-Akademien wie der in Hollersbach, in Dresden oder der Sommerakademie auf der Festung Hohensalzburg. Zuletzt machte er noch eine Ausbildung zum Mal- und Gestaltungstherapeuten in Wien. Eine Ausbildung, bei der er besonders viel gelernt hat. Nicht nur, was die Kunst und die Malerei betrifft, sondern die Menschen, die Kommunikation, und wie Kunst eine Ausdrucksform sein kann, um einerseits zu sich selbst zu finden und andererseits leichter mit anderen klarzukommen. Sei es mit dem Partner, den Kollegen oder dem eigenen sozialen Umfeld.Die Stange des Anstoßes. Ein Werk, das seine Inspiration in dieser Ausbildung gefunden hat, sind die sogenannten „Kommunikationsstangen“. Rund zwei Meter hohe Holzstangen mit einem Durchmesser von rund vier Zentimetern, bunt bemalt, mal in Pastelltönen, mal in knalligen Farben wie Pink, leuchtendem Orange und Tieftürkis mit unterschiedlichsten Motiven und Akzenten in Gold.

Schon beim Betreten des Ateliers ziehen diese Stangen, die nebeneinander gereiht wie bunte Zaunpfähle im Eck zwischen zwei großformatigen lauten Gemälden stehen, den Blick auf sich und oft hört Valenta die Fragen „Was ist das? Wofür sind die gut?“. Wenn Valenta dann beginnt zu erklären, strahlen seine Augen wie das Gold in seinen Gemälden. „Jeder von uns kennt das doch. Es gibt Konflikte, Unstimmigkeiten, Dinge, die besprochen gehören, doch der Partner, das Kind oder – im Arbeitsumfeld – auch der Kollege scheinen nicht zuzuhören, haben in diesem Moment einfach keine Zeit oder keine Geduld. Die Kommunikationsstangen, die in Wohnungen oder in Büros ihren Platz finden können, sind Ausdrucksmittel für einen gemeinsamen Austausch. Habe ich das Bedürfnis zu reden, ein Thema zu behandeln, stelle ich meine Stange neben die des gewünschten Gesprächspartners. Kommt dieser an den Stangen vorbei, weiß er sofort Bescheid: „Oha – da gibt es was zu bereden.“ Man vereinbart einen passenden Zeitpunkt und tauscht sich aus. Das System der Kommunikationsstangen ist äußerst gesprächsfördernd, öffnend und es wirkt verbindend. Es lässt dem anderen Zeit, sich auf ein Gespräch vorzubereiten, man kann sich die Zeit nehmen und den passenden Augenblick abwarten. „Es wird prinzipiell zu wenig geredet und zu wenig zugehört. Dabei sind diese beiden Komponenten der Schlüssel für gelungene Beziehungen“, ist sich der Künstler sicher. Die bunten Stangen sind nicht nur nützlich – sie sind auch schön anzusehen und spiegeln die Lebendigkeit einer Beziehung wider. Im privaten wie im beruflichen Kontext.

Angekommen im Andräviertel. Christian Valenta ist kein Maler der zurückgezogenen, introvertierten Sorte. Im Gegenteil: Das, was seine Bilder ausdrücken, nämlich Lebendigkeit, Offenheit und Lebensfreude, das lebt er auch selbst. Mitten in seinem Atelier im Andräviertel, das einem Wohnzimmer gleicht. Immer wieder kommen Leute vorbei und tauschen sich mit dem Künstler über Alltägliches aus, bringen Kaffee aus dem Röstzimmer gegenüber oder verabreden sich mit ihm zum Mittagessen beim Inder zwei Häuser weiter an der Ecke zur noch belebteren Linzergasse. Malen für und mit Menschen. In seinem gemütlichen Atelier in der Wolf-Dietrich-Straße empfängt Valenta nicht nur Gäste, die auf einen Plausch vorbeikommen möchten. Er bietet auch Malkurse und freies Malen unter Anleitung im Atelier an. Sei es allein, zu zweit, als Paar oder als Vater und Sohn, oder mit Kollegen, wie auch immer die Konstellation aussehen mag, Valenta hat für jeden ein offenes Ohr, ein offenes Herz, einen Malerkittel, einen Pinsel und jede Menge bunter, leuchtender Farben, mit denen sich die Gäste so richtig austoben, ihrer Fantasie freien Lauf lassen und „in die Gefühlswelt eintauchen“ können. „Der Großteil der Menschen ist sehr kopflastig“, sagt Valenta. „Hier bei mir kann man das Denken mal sein lassen und auf sein Gefühl hören und durch das Malen, durch die Beschäftigung mit Pinsel und Farbe wieder zu sich finden, Blockaden lösen und durch das Tun und das damit erschaffene Werk pure Lebensfreude spüren.“

 


Erfahrungen als Maltherapeut hat Valenta übrigens schon während seiner Zeit im Autohandel sammeln können. Die Eigentümerfamilie war so begeistert von seiner Leidenschaft, dass sie ihm ein Atelier zu Verfügung stellte, in dem er den Mitarbeitern Raum zum künstlerischen Tun und seine Expertise als Maler zur Verfügung stellte. „Das war einzigartig“, erinnert sich der Künstler zurück, „es kam sehr gut bei den Mitarbeitern an und bot mir die Möglichkeit, nicht nur mit Kunst, sondern auch mit Menschen zu arbeiten. Eine spannende Kombination!“ Wichtig bei der Arbeit mit Menschen ist ihm der Respekt und die Anerkennung jedes Einzelnen. „Ich bewerte nicht. Ich sehe jeden Menschen als Individuum, jeder ist einzigartig. Es gibt keinen zweiten von derselben Sorte. Hier bei mir im Atelier muss niemand jemandem etwas beweisen.“