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People | 01.11.2021

An Fried, an G’sund und an Reim

Das Trestern im Pinzgau – jahrhundertealt und fast vergessen! Tresterer sind Schönperchten, die schauspielerische und tänzerische Figuren des bayerisch-österreichischen alpenländischen Brauchtums sind. Wir haben uns das besondere Brauchtum näher angesehen und sind der Frage nachgegangen, woher das Trestern stammt und warum die Tradition nach wie vor diesen hohen Stellenwert in der heimischen Bevölkerung hat. Alle Infos unter www.saalfeldener-tresterer.at

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(c) Bernhard Pfeffer

Vieles ist umstritten, vor allem die Herkunft des Tanzes, der damals wie heute im Pinzgau ausgeübt wird. Die Pinzgauer Tresterer gehen davon aus, dass sich der Tanz, das Brauchtum, über Jahrhunderte entwickelt hat. Das Austreten des Getreides mit den Füßen wird hier als Ursprung gedeutet. Aus dieser harten, monotonen Arbeit ist dann der rhythmische Stampftanz der Tresterer entstanden. 



Glücksbringer. Damals wie heute sind die Bauern auf fruchtbaren Boden und eine ertragreiche Ernte angewiesen. Kommt nun etwas Aberglaube und Bezug zum Mystischen hinzu, liegt es auf der Hand, warum die Tresterer mitsamt Gefolgschaft an den Bauernhöfen so willkommen sind. Sie bringen reichen Erntesegen, Fruchtbarkeit, Glück und Gesundheit. Die Begleitfiguren wehren Unheil und Naturkatastrophen ab, schützen das Vieh und sollen böse Geister vom Hof vertreiben. So verheißen sie für die besuchten Hausbewohner:innen und Familien „an Fried, an G’sund und an Reim“. Der Auftritt der Tresterer variiert von Ort zu Ort. Aufgrund der Distanz und der regionalen Unterschiede hatte sich damals wie heute jede Gruppe eigenständig entwickelt. Im Großen und Ganzen läuft es aber vor dem gleichen Hintergrund ab. 



Die Kleidung. In ihre kostbaren Gewänder gekleidet zählen die Tresterer zu einer ganz besonderen Form der Perchten: den Schönperchten. 
Die „Gainzl“, die Hahnen- oder Tresterer-Krone, wird mit weißen Hahnenfedern geschmückt. Das „Heiligtum“ jedes Tresterers ist ein Unikat, wird in Eigenarbeit angefertigt und individuell gestaltet. Die an die 50 weißen Federn stehen für Stärke und Mut. Lange bunte Bänder verschleiern das Gesicht der Perchten und verleihen ihnen etwas Mystisches. Die Farbe Rot steht für die Abwehr von Unheil. Weiß für die Reinheit, Gelb ist die Farbe der Schönheit, Grün steht für Fruchtbarkeit. In den Spiegeln sollen sich Geister und Dämonen selbst erblicken und derart erschrecken, dass sie das Weite suchen. Die Schafwoll-Schwendling (Strümpfe ohne Fußteil) und die aufwändigen Tresterer-Schuhe machen den Stampftanz der Tresterer zu einem ganz besonderen Schauspiel. Das Tresterer-Tüchl, das die Tanzenden in der rechten Hand halten, symbolisiert vermutlich das Weibliche. 
Die Perchtenfiguren gehen zurück auf die Sagengestalt Frau Perchta und sind somit weibliche Figuren. Sie werden auch als Zeichen von Würde gedeutet und sollen mit magischen Kräften versehen sein. 


Der Lauf der Tresterer. Die Saalfeldener Tresterer sind ausschließlich in den Rauhnächten ab dem 21. Dezember, der Thomasnacht, unterwegs. Eine traditionelle Ausnahme stellt hier der alljährliche öffentliche Auftritt im Museum Schloss Ritzen dar. Dieser Termin wurde jahrelang von den Zeller Tresterern wahrgenommen, um den Brauch auch in Saalfelden lebendig zu halten. Nun wird dieser Auftritt von den Saalfeldener Tresterer weitergeführt. Wenn es dämmert und allmählich die Nacht hereinbricht, macht sich die Tresterer-Pass mit viel Lärm und Getöse auf ihren Weg zu den Höfen. Die „Schenen“ folgen ihnen auf leisen Sohlen durch die kalte Winternacht. 
Als Erstes stürmen die „Schiachen“ und alle Begleiter:innen des Perchtenzugs in die Bauernstube nund sorgen für reichlich Unruhe, Spaß und Schrecken. 
Danach folgt der „Honswurscht“, der mit seiner Lederwurst Platz für die Tresterer schafft und nach dem
„Honswurschtgsatzl“ das Kreuzzeichen „einschlägt“, das für die vier Himmelsrichtungen steht. 
Die Vorpercht, der Vortresterer, „hobelt“ (ein spezieller Schleifschritt) zum Auftakt über den Holzboden, und die Tresterer nehmen Aufstellung für ihren uralten mystischen Stampftanz. Erst ein stummer Trischlag, dann der Spieltanz, begleitet von den Musikant:innen. Schleicher, Hacker, Plattler, Stampfer und andere Schrittfolgen und Sprünge – alles synchron zu den Tönen der Klarinetten. Anschließend wieder ein Trischlag ohne musikalische Begleitung, abschließend der Aufhörer. Nachdem so der Boden geweckt wurde und dem Hof ein fruchtbares Jahr bevorsteht, geleitet der Hanswurst die Tresterer wieder aus dem Raum.
Der Einsiedler verteilt seinen Segen, und die „Hennapercht“ hat ihren Auftritt. Zur Belustigung aller legt sie zum Abschluss ein Ei, als Sinnbild für das neue Leben, das im Frühjahr 
entsteht.

Bevor der Perchtenzug wieder in der Dunkelheit verschwindet, gibt’s noch eine großzügige Bewirtung 
durch die Bauersleute.

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(c) Michael Geißler