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People | 27.04.2022

Ein Accessoire mit Tradition

Eine der schönsten und auffälligsten Frauenkopfbedeckungen ist die Goldhaube und ziert bis heute das Haupt vieler Trachtenfrauen. Dabei durften früher in Salzburg tatsächlich nur verheiratete Bürgerinnen eine Goldhaube tragen, und zwar vom Flachgau bis nach Golling. Oder anders gesagt, so weit, wie die Salzach schiffbar ist. Heute gibt es im Flach- und Tennengau und in der Stadt Salzburg 20 Goldhauben- und weitere acht Trachtenfrauengruppen, in denen ebenfalls Goldhaubenträgerinnen vertreten sind. Alle Infos unter: www.goldhaubengruppe-mozartstadt.at

Bild Kreative Hände (5 von 21).jpg
(c) Thomas Kirchmaier

Sie ist Expertin für Goldhauben, feierte heuer ihr 25-jähriges Mitgliedsjubiläum und wurde nun auch im April 2022 zur Obfrau der Goldhaupengruppe der Mozartstadt Salzburg gewählt: Wir haben Monika Schlager auf ein Gespräch getroffen und uns unter anderem über die lange Tradition und die aufwändige Herstellung einer Goldhaube unterhalten.



Tradition und Brauchtum. Die Salzburger Bürgersfrauen des 
20. Jahrhunderts wollten nach dem Zweiten Weltkrieg die alten Goldhauben der Heimat zu Ehren wieder aufleben lassen. Im Jahr 1956 gründete schließlich die erste Obfrau Josefine Dangl die „Salzburger Goldhaubengruppe“. Sechs Jahre später wurde der Vereinsname auf „Goldhaubengruppe der Mozartstadt Salzburg“ erweitert.
Im Zentrum des Vereins steht das Erhalten und Präsentieren der schönen alten Bürgerinnentrachten des 
19. Jahrhunderts mit der Goldhaube. 
„Wir möchten die Tradition der Goldhauben weiterführen und diese vor allem der jüngeren Generation näherbringen, denn wir merken, wie groß das Interesse bei der Jugend ist. Das freut uns sehr“, sagt die neue Obfrau Monika Schlager. „Wir nehmen übrigens jederzeit gerne junge erwachsene Frauen in unsere Gruppe auf, die sich für die Tradition und ihre Heimat begeistern können.“
Bei den Goldhaubenfrauen spielen vor allem Freundschaft, Geselligkeit und soziales Engagement eine große Rolle und prägen die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. 
So beteiligen sich die Mitglieder bei verschiedenen volkskulturellen Veranstaltungen, bei kirchlichen Hochfesten des Doms, wie Maiandachten, Fronleichnam und Erntedank, sowie bei Veranstaltungen zugunsten karitativer Einrichtungen.



Die Geschichte hinter der Goldhaube. Im letzten Viertel des 
18. Jahrhunderts wurden bereits kleine Goldhäubchen getragen, wie zahlreiche Originalstücke und Porträts aus dieser Zeit bezeugen. Nach der Wende zum 19. Jahrhundert zog man, wie im benachbarten Oberösterreich, die helmartige Form der Goldhaube auch in Salzburg vor. So entwickelte sich die 
„Linzer Goldhaube“ zu einer angesehenen Tracht in Verbindung mit biedermeierlicher und auch noch späterer Kleidung. Sie wurde früher nur vom Adel und von wohlhabenden Bürgersfrauen zu festlichen Anlässen getragen. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb sie in den Familien und wurde als kostbares Erbstück von Generation zu Generation weitergegeben.
So bildete sie sich allmählich zur bleibenden Traditionstracht an besonderen Festtagen aus.
Dass UNESCO die Goldhaube in die Liste des „Immateriellen Weltkultur-
erbes“ aufgenommen hat, macht die Goldhaubenträgerinnen sehr stolz.


Goldhaube selbstgemacht! Für Monika Schlager ist es eine Herzensangelegenheit, die heimatlichen 
Traditionen und vor allem die Goldhauben den Menschen näherzubringen, und zeigt bei den verschiedensten Anlässen des Vereins, wie Goldhauben und Kinderhäubchen hergestellt werden. Zudem restauriert sie auch alte Goldhauben und Trachtenstücke. 
Ganz neu und modern für Mädchen sind die Goldhaarbänder, die reichlich mit Pailletten bestickt sind. In Kursen, die über die Salzburger Heimatvereine organisiert werden, lehrt Monika Schlager, wie man eine Goldhaube, ein Kinderhäubchen oder Goldhaarbänder herstellen kann. Bei der Goldhaube werden beispielsweise in vielen kleinen Einzelschritten und in mühevoller Handarbeit Perlen und Pailletten mit einem vergoldeten Baumwollfaden an ein Band aus Goldlamé bestickt. Am Ende wird dieses Band durch Zugbänder zusammengezogen und auf einem Drahtgestell befestigt. Eine schwarze Spitzenmasche, die sogenannte Schwalbe, stellt die Verbindung zwischen Haube und Knauf her. „Der Knauf ist das Prunkstück der Haube und wird am reichsten bestickt“, erklärt die Fachfrau. Je nach Stickmuster kann der Arbeitsaufwand einer Goldhaube schon einmal 200 bis 300 Stunden in Anspruch nehmen. Eine Goldhaube kann dabei bis zu einem halben Kilogramm schwer sein, natürlich je nach dem Gewicht des Drahtgestells und der Menge der Stickerei. „Das Interesse an den Kursen ist sehr groß und vom Alter der Teilnehmerinnen her bunt gemischt!“, freut sich Monika Schlager. „Das zeigt, dass sich Tradition und Zeitgeist nicht ausschließen und dass das Brauchtum unserer Heimat wertgeschätzt wird!“