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People | 06.09.2021

MEIN HERZ SCHLÄGT GRÜN

Ob beruflich in der Uniform oder privat im grün-weißen Rapid-Trikot, Oberösterreichs Militärkommandant Dieter Muhr steht auf die Farbe Grün. „Grün ist die Farbe der Hoffnung und heißt für mich, niemals aufzugeben“, hat er uns bei unserem Besuch am Fliegerhorst Vogler in Hörsching verraten. Obwohl das Bundesheer aufgrund von Corona-Einsätzen, Grenzraumüberwachung, veralteter Infrastruktur und Personalmangel viele Herausforderungen zu meistern hat, ist der 59-jährige Kronstorfer guter Dinge. Wir haben nachgefragt, ob das Bundesheer im Ernstfall noch in der Lage ist, unser Land zu verteidigen.

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© Thom Trauner

Wir treffen Brigadier Dieter Muhr am Fliegerhorst Vogler in Hörsching bei Linz, wo das Militärkommando Oberösterreich, die Luftunterstützung und die 4. Panzergrenadierbrigade sowie viele andere Dienststellen des Bundesheeres stationiert sind. Das große Gebäude, in dem das Büro des Militärkommandanten von Oberösterreich untergebracht ist, riecht nach frischer Farbe. „Irgendwo ist bei uns immer eine Baustelle, da wir laufend dabei sind, unsere alten Gebäude in Schuss zu halten“, erklärt Dieter Muhr. Bei Espresso mit Honig gesüßt schwärmt er von seiner Leidenschaft für „Rapid Wien“ und zeigt uns stolz mehrere Magazine des österreichischen Traditions-Fußballklubs, in denen er immer wieder journalistisch mitwirkt. Auch für Publikationen des Österreichischen Bundesheers zeichnet der Militärchef von Oberösterreich verantwortlich.

Wie tickt nun der Hüter des Bundesheeres, der Anfang des Jahres 2020 nach einstimmiger Zustimmung der oberösterreichischen Landesregierung zum Militärkommandanten im Land ob der Enns bestellt wurde? Uns hat der Vater von Drillingsmädchen und einem Sohn verraten, welchen Herausforderungen er sich zu stellen hat, wie sich die Szenarien der Kriegsführung gegenwärtig gestalten und warum er 30 Jahre beim Bundesheer niemals bereut hat.

Herr Muhr, seit Anfang 2020 sind Sie Militärkommandant von Oberösterreich. Was war seither die größte Herausforderung?


Dieter Muhr:
Die größte Herausforderung war natürlich der Corona-Einsatz, wo unsere Soldaten im Bereich der Grenz- und Bezirkskontrollen, des Contact Tracings, bei Coronatests und Impfstraßen tätig waren. Darüber hinaus ist eine unserer größten Herausforderungen nach wie vor, unsere Infrastruktur in Schuss zu halten. Das ist eine langwierige und schwierige Sache, denn unsere Gebäude sind schon recht alt und stehen teilweise unter Denkmalschutz. Auch das Personalmanagement fordert uns sehr, da wir uns in einer großen Pensionswelle befinden. Diese Plätze alle nachzubesetzen, ist nicht einfach.

Was genau ist Ihr Tätigkeitsfeld als Militärkommandant von Oberösterreich, wie darf man sich das vorstellen?
In der Praxis bin ich der Hüter des Bundesheeres in Oberösterreich und der führende Kommandant, wenn im Bundesland Einsätze anstehen. Ich bin in Oberösterreich für alle Kasernen, Liegenschaften und für alles, was dort passiert und nicht passiert, zuständig.

Die vergangenen Jahrzehnte waren beim Heer von einem Investitionsstau gekenn- zeichnet. Ist unser Bundesheer aufgrund der Infrastruktur und vom Personal her noch in der Lage, unser Land zu verteidigen?

Ja, sicher ist das möglich. Aber wir haben Nachholbedarf, da sich die Technologie schnell weiterentwickelt und neue Akteure sowie immer wieder auch neue Szenarien auftreten können. Viele davon sind bereits angekommen, wie die Pandemie, Cyberattacken, Fake News und Deep Fake, mit denen versucht wird, Wahlen zu beeinflussen und politische Amtsträger knapp vor einer Wahl in Misskredit zu bringen. Das alles passiert schon überall auf der Welt und da wird sicher noch mehr daherkommen. Man braucht keinen blutigen Krieg mehr beginnen, wenn man mittels Cyberattacken oder Fake News mitbestimmen kann, wer in einem Land Präsident wird. Diese neuen Szenarien sind vorhanden und mit denen müssen wir uns auseinandersetzen.

Das Bundesheer ist also nicht mehr primär im Objektschutz, wie etwa von Botschaften oder internationalen Institutionen, tätig?

Selbstverständlich gibt es den Objektschutz noch. Wir sind auf alles vorbereitet, falls militärische Angriffe von außen kommen. Wie notwendig das ist, hat man beim Attentat in Wien im Vorjahr gesehen, wo ein Täter mitten durch die Stadt gelaufen ist und Menschen erschossen hat.

Die Aufgaben des Bundesheeres gehen weit über die Landesverteidigung hinaus. Grenzkontrollen, Hilfe bei Katastrophen, Corona Contact Tracing – wie teilen sich die Aufgaben des Heeres derzeit in etwa auf? Was hat Priorität?

Unsere Hauptaufgabe ist der Einsatz. Dazu ist eine Grund- und Basisleistung Voraussetzung. Zusätzlich gibt es auch noch die Einsatzvorbereitung, in der die Truppen für die Auslands- und Inlandseinsätze vorbereitet werden. Die meisten Soldaten aus Oberösterreich werden im Burgenland, der Steiermark, Tirol und Kärnten an der Grenze eingesetzt. Auch die Luftraumüberwachung zählt zu unseren permanenten Aufgaben und seit eineinhalb Jahren ist auch noch der Corona-Einsatz dabei.

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© Thom Trauner

Die burgenländisch-ungarische „grüne“ Grenze, die rund 400 Kilometer lang ist, steht derzeit in der Öffentlichkeit im Fokus. Kann man diese überhaupt lückenlos überwachen?

Ja sicher, die Grenze wird seit dreißig Jahren von uns im Rahmen der Grenzraumüberwachung lückenlos überwacht. Aber auch hier kommen neue Technologien zum Einsatz.

 

Erst Anfang des Jahres 2021 ist Österreich knapp an einem Blackout vorbeigeschrammt. Immer wieder wird berichtet, dass das Bundesheer die Gefahr eines Blackouts für sehr realistisch hält. Welche Aufgaben hat das Heer in so einem Fall und wie bereitet man sich auf den Ernstfall vor?

Diesbezüglich arbeiten wir in Oberösterreich sehr eng mit den Energieversorgern zusammen. Oberösterreich ist von der Stromversorgung sehr gut aufgestellt und müsste im Fall eines Blackouts fähig sein, das Netz, aus sich selbst heraus, rasch wiederaufzubauen. Aber wir sind natürlich immer in Alarmbereitschaft, denn ein Blackout passiert ohne Vorwarnung, genauso wie ein Cyberangriff. Unser Ziel ist, dass die Kasernen 14 Tage autark sein können. Das heißt, wir brauchen genug Lebensmittel und Wasser, wir brauchen jemanden, der die Nahrung zubereiten kann, wir brauchen Diesel und eine Lösung für Heizung, Kühlung, Sicherungsanlagen usw. Insgesamt haben wir 26 Kriterien definiert, die für den Ernstfall wichtig sind.

 

Wie ist aktuell die Situation im Fliegerhorst Vogler? Die Saab 105 wurde mit Jahresbeginn in Pension geschickt. Laut Verteidigungsministerin Tanner soll Hörsching als Ausweichflughafen eine Aufwertung erfahren ...

Neben dem Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg gibt es in Langenlebarn einen etwas kleineren Militärflugplatz. Der Vorteil vom Fliegerhorst Hörsching ist, dass hier ein Cargo-Flugplatz betrieben wird, der für den Zentralraum eine große logistische Bedeutung hat. In der Pandemie, wo viele Lieferungen für Produktionsfirmen auf der Straße nicht möglich waren, war Hörsching ein Nabel zur Welt. Das Besondere ist aber auch, dass es sich um einen Militärflughafen handelt, der auch dann betrieben werden kann, wenn alle anderen Flughäfen stillstehen. Der Militärflugplatz Hörsching untersteht nämlich dem Verteidigungsministerium und nicht dem Verkehrsministerium.

 

Wie wäre das im Falle eines Blackouts?

Auch im Falle eines Blackouts können unsere Flugzeuge und auch andere Militärflugzeuge in Zeltweg und in Hörsching starten und landen, da wir unsere eigenen Verfahren haben und diese auch anwenden dürfen. Ich glaube nicht, dass ein großes Zivilflugzeug wegfliegen darf, wenn kein Strom mehr da ist.

 

Wie ist es um die Luftraumüberwachung in Österreich generell bestellt?


Unsere Luftraumüberwachung funktioniert mit einem Netz aus Radarsystemen, die digital miteinander verknüpft sind und eine Schnittstelle zur zivilen Luftraumüberwachung haben. Jeder Flug im internationalen Flugverkehr muss angemeldet und genehmigt sein. Jedes Flugzeug muss mit einem Transponder ausgestattet sein, um die Maschinen am Radar mit den spezifischen Flugdaten anzeigen zu können. Des Öfteren sehen wir jedoch Flugzeuge am Radar, die weder angemeldet, noch mit funktionierendem Transponder ausgestattet sind. In so einem Fall sind wir verpflichtet, hoch zu fliegen und zu prüfen, wer das ist, woher das Flugzeug kommt und ob es möglicherweise Probleme gibt. Denn ein Flieger, der nicht angemeldet ist, ist wie ein Geisterfahrer. Wir sind Teil der Kontrolle des österreichischen Luftraums. Und noch eine Besonderheit gibt es im militärischen Flugverkehr, denn als neutrales Land müssen wir in Österreich sicherstellen, dass keine fremden Militärflugzeuge, die an einem Krieg beteiligt sind, unseren Luftraum nutzen.

 

 

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© Thom Trauner

Kommen wir zum Personal. Wie viele fixangestellte Mitarbeiter und wie viele Grundwehrdiener gibt es in Oberösterreich?


Wir beschäftigen ungefähr 2.300 Fixangestellte und ebenfalls an die 1.800 Grundwehrdiener pro Jahr. Zusätzlich betreuen wir regelmäßig auch noch etwa 1.000 Milizsoldaten.

In welchen Bereichen werden beim Bundesheer Mitarbeiter gesucht?
Wir haben derzeit in allen Bereichen einen Personalbedarf. In erster Linie benötigen wir Soldaten. Im zivilen Bereich suchen wir in den handwerklichen Berufen verstärkt Mitarbeiter wie Köche, Gärtner, Elektriker, Bau- und Holzarbeiter.

 

Lesen Sie die ganze Geschichte in der aktuellen Ausgabe von DER OBERÖSTERREICHER!

 

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© Thom Trauner