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People | 03.02.2022

Sturz ins Glück

Eine Liebesgeschichte, erzählt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven – der von Jacqueline und der von Peter. Zwei Menschen, die am 29. Oktober 2015 ein unglücklicher Zufall zusammenführte.

Bild Wedding_JacquelinePeter_Winterstellgut-11434.jpg
(c) Amir Kaljikovic

Unser SALZBURG: Wie habt ihr euch kennengelernt? Was ist an diesem besagten 29. Oktober 2015 genau passiert?


Peter: Das war der Tag vor dem Weltspartag – Tracht war angesagt. (Peter arbeitet bei einer Salzburger Bank als Privatkundenbetreuer.) Mir fehlte noch meine Lederhose, die ich bei meiner Mutter vermutete. Nach einem gemeinsamen Abend bei Freunden schwang ich mich auf mein Mountainbike und düste durch die Innenstadt in Richtung meiner Mutter. Ich hatte tausende Dinge im Kopf, fuhr an Zäunen und Flüchtlingsströmen vorbei, hinein in ein Blaulichtgewitter. Da krachte es auch schon. Völlig perplex und mit noch mehr Fragen im Kopf versuchte ich zu verstehen, was gerade passiert war. Ich war mit gut 30 km/h ungebremst in einen Bauzaun gedonnert! 
Etwas verloren suchte ich nach meiner Brille. Eine weibliche Stimme fragte mich nach meinem Befinden und half mir in dieser prekären Situation. Ihren Rat, mich zu setzen, nahm ich gerne an, und als sie mir meine Brille reichte, war ich erleichtert – auch wenn diese völlig hinüber war. Ich nahm meine Umgebung weiterhin verschwommen wahr, nur schemenhaft ihre Gestalt. Und dachte mir schon damals: „Der Mann, dessen Frau sie ist, darf sich zu Recht als der glücklichste Mann der Welt schätzen.“ Mit quietschenden Reifen schoss meine Mutter um die Ecke, welche ich kurz nach meinem Unfall angerufen hatte, und fragte mich voller Hast, wie es mir denn ginge. Nach „qualifizierter“ Einschätzung eines vorbeikommenden Sanitäters, dass alles in Ordnung sei, und anschließendem Protest meiner Retterin beförderte mich ein Krankenwagen ins LKH. Diagnose: Nasenbeinbruch. 


Jacqueline: Ich war mit zwei Freundinnen abends unterwegs ins Kino, als uns am Schutzweg schon fast ein Radfahrer übersah. Mein Gedanke, dass der sicher noch wo dagegen fahren würde, war noch nicht zu Ende gedacht, als eben dieser Radfahrer Vollgas gegen einen Baustahlzaun krachte und sich im Gitter hängend nicht mehr bewegte. Wir rannten zu ihm, um zu helfen. Ich sagte ihm, er solle sich setzen, und reichte ihm Taschentücher und rief mit dem Handy seine Mutter an. Ein paar Augenblicke später kam ein Sanitäter hinzu, der mich total aufregte, denn er sagte dem Radfahrer, dass alles in Ordnung sei und er nicht unbedingt ins Krankenhaus müsse. Peters Nasenbein ragte zu diesem Zeitpunkt aus seinem Gesicht! Er hatte eine zerbrochene Brille und offensichtlich eine sehr ausgeprägte Sehbeeinträchtigung, da er die Helfer kaum wahrnehmen konnte, außer wenn sie 15 Zentimeter von seinem Gesicht entfernt waren. Seine Mutter kam, packte das Rad ein und schrieb sich meinen Namen auf. Zu unserem Glück! Danke, Michaela! (So heißt Peters Mutter.)


Wie ging es danach mit euch beiden weiter?

Peter: Ich hatte plötzlich ein neues Ziel. Ich wollte meine Retterin kennenlernen. Dank meiner Mutter hatte ich ihren Namen. Ich fand sie auf Facebook und lud sie ins Kino ein. Seit diesem Kinoabend hatten wir gefühlt täglich Kontakt und bis tief in die Nacht geredet. Toll waren vor allem die nächtlich-morgendlichen Spaziergänge! Damals wohnte ich in der Salzburger Altstadt, sie im Schülerheim neben dem Salzburger Landesklinikum. Der romantischste Weg, den man sich vorstellen kann: entlang der Salzach in Richtung festlich weihnachtlich geschmückter und beleuchteter Altstadt. 


Jacqueline, was hat sich für dich seit dieser Begegnung verändert?


Jacqueline: Es hat sich alles verändert! Ich war damals, als wir uns kennenlernten, nicht auf Beziehungssuche, da ich einige schräge Menschen kennenlernen musste, um zu wissen, wer ich bin. Peter hat mich innerlich komplett gemacht, meine Seele berührt. Durch ihn weiß ich, dass es für jeden einen Plan gibt und die Liebe und das Leben selbst das Schönste ist, das es gibt. Durch Peter kann ich wieder vertrauen und bin mutig und freundlich.


Peter, was war für dich eine der prägendsten Erfahrungen der gemeinsamen Zeit?


Peter: Daran kann ich mich sehr gut erinnern. Das war im Sommer 2017 bei einer Wanderung auf den Untersberg. Nach einem dreistündigen Marsch kommt man an die letzte Passage, den Dopplersteig: in die Felswand geschlagene Treppen. Relativ schmal. Auf der rechten Seite eine hunderte Meter tiefe Schlucht. Auf der linken Seite Bilder neben Kruzifixen von verunglückten Wanderern und Bergsteigern.
 Nach anfänglicher Skepsis entschlossen wir uns doch für den gut 15-minütigen Aufstieg über den Steig. Nach gut einem Viertel der Strecke wurden Jacquelines Knie weich, der Mut schwand, und Panik überkam sie! Der Weg zurück war für sie jedoch keine Option! Schritt für Schritt ging sie nach oben. Stellen ohne Sicherung, entgegenkommende Wanderer und kein Ende in Sicht. Sie hat nicht aufgegeben und sich der Situation gestellt – Chapeau!


Im August letzten Jahres habt ihr schließlich geheiratet. Was war das Schönste daran?

Jacqueline: Schon die Zeit vor unserer Hochzeit war wunderschön. Unsere Familie freute sich so sehr mit uns, sie überraschten uns bereits vor der Hochzeit mit kleinen Geschenken. Sie kränzten den Türrahmen unserer Wohnung wunderschön, und die letzten 21 Tage vor der Hochzeit konnten wir jeden Tag ein Geschenk aufmachen, eine Art „Hochzeitscountdown“. Da gab es z. B. Socken gegen kalte Füße, Notfalltropfen gegen Nervosität, Hochzeitstee und -suppe zum Entspannen und vieles mehr.


Peter: Es gab unglaublich viele schöne Momente der Hochzeit, die ohne unsere Dienstleister:innen und vor allem ohne die Unterstützung unserer Familie nicht möglich gewesen wäre. Besonders schön waren der „First Look“ von Bräutigam und Braut, die strahlenden Gesichter der schick gekleideten Gäste, die freie Trauung am See – Jacqueline kam in einer Pferdekutsche, oder dann nach der Trauung das Ratespiel, bei dem ich auf einem Fahrrad treten musste, während Jacqueline Fragen beantworte, bei jeder falschen Antwort musste ich einen Gang hoch schalten. (Lacht.)


Was wünscht ihr euch für eure gemeinsame Zukunft?


Peter: Dass uns der Spaß nie ausgeht und wir unsere Verliebtheit, Liebe, Neugierde und Freude füreinander beibehalten!


Jacqueline: Dass wir uns immer neue Ziele und Herausforderungen setzen und diese erreichen, jeder für sich und doch gemeinsam! Und dies alles bei körperlicher und geistiger Gesundheit.