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People | 01.10.2022

Wordrap mit … Daniela Martinek

Die in Hallwang aufgewachsene Salzburgerin ist ausgebildete Volksschullehrerin und habilitierte Bildungswissenschafterin mit mehrjähriger Berufserfahrung an Schulen. Sie war in den letzten Jahren an der Universität Salzburg im Bereich der Lehrendenbildung tätig und ist seit Oktober 2021 Rektorin der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig (PH Salzburg).

Bild DanielaMartinek01062022©DanielaGruber1.jpg
(c) Daniela Gruber

Der Lehrer:innenmangel hat Österreichs Schulen weiterhin fest im Griff. Wir haben Rektorin Daniela Martinek über die Situation an der PH Salzburg befragt sowie über den Lehrberuf und mögliche Perspektiven gesprochen.

Unser Salzburg: In den letzten Jahren wurde der anwachsende Lehrer:innenmangel zu einem Problem für das Schulsystem. Warum ist die Situation Ihrer Meinung nach so?
Daniela Martinek: Einerseits geht ein hoher Anteil an Lehrpersonen in Pension, andererseits gibt es auch einen deutlichen Trend zur Teilzeitbeschäftigung. Man muss aber auch festhalten, dass in der Primarstufenausbildung die Anzahl der beginnenden Lehramtskandidat:innen relativ stabil ist. Die Verlängerung der Lehramtsausbildung hat somit nicht zu einem Rückgang an Absolvent:innen beigetragen, wie oft vermutet wurde. In Bezug auf die Ausbildung für Mittelschulen, Allgemeine Höhere Schulen (AHS) und Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen (BMHS) sieht das anders aus.


Welche Lösungsvorschläge haben Sie in Bezug auf den Lehrer:innenmangel? Welche Anreize braucht es?
Grundsätzlich ist zum jetzigen Zeitpunkt die Studienarchitektur – das heißt, die Aufteilung der Semester für Bachelor- und Masterstudien – in Diskussion. Überlegt wird, dass der Bachelor auf drei Jahre verkürzt und der Master zweijährig berufs- und studien-
ermöglichend konzipiert wird. Das erachte ich als durchaus positiv. Angesichts der aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen sind hier aber noch wichtige Voraussetzungen zu klären. Außerdem wäre es sinnvoll, Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Beruf zu überdenken. Beispielsweise wären individuelle Vertiefungen in den künstlerischen Fächern, in Bewegung und Sport oder anderen Fächern denkbar. Man könnte weiters auch Aufbaustudien mit Lehrberechtigungen für die Primar- und Sekundarstufe andenken. Das würde unter Umständen auch mehr männliche Lehrpersonen in die Volksschule bringen.


Welche Werte vertritt die PH Salzburg?
Die PH Salzburg versteht sich als diversitätsbewusste und inklusive Hochschule und in diesem Sinne legen wir Wert auf Vielfalt, Toleranz und gesellschaftliches Engagement. Wir sind im Rahmen der Weiterentwicklung der Lehrer:innenbildung darum bemüht, alle Beteiligten einzubinden, um bestmögliche Arbeits- und Studienbedingungen zu gewährleisten. Unsere Angebote in der Aus-, Fort- und Weiterbildung umfassen eine Vielzahl von Lehr- und Lernmethoden, es wird unter anderem auf konstruktive Kritikfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung und auf Gesprächsbereitschaft Wert gelegt. Wir versuchen so, unsere Studierenden und Lehrkräfte bestmöglich für ihre Tätigkeit in der Schule vorzubereiten.


Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die Einrichtung?
Zukünftige Lehrer:innen auszubilden, ist eine herausfordernde, gleichzeitig lohnende Aufgabe. Lehrer:innen übernehmen eine bedeutsame Rolle bei der Ausbildung unserer Jugendlichen und wir versuchen, diese professionelle Entwicklung – auch angesichts der sich verändernden Anforderungen – im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung bestmöglich grundzulegen und zu begleiten. Zudem ist es uns ein Anliegen, interessante Angebote für die individuelle Weiterentwicklung von Lehrkräften zu schaffen. Eine Chance sehe ich derzeit darin, die Bedeutung des Lehrberufs in der Gesellschaft neu zu diskutieren. Wir haben dafür im letzten Jahr eine neue Kommunikationsstrategie entwickelt und tragen somit aktiv interessante Projekte der PH Salzburg und der Praxisschulen nach außen, um diese mit einem größeren Personenkreis zu teilen.


Was sind Ihre Zukunftsperspektiven für die PH Salzburg?
Die PH Salzburg ist aus der Hochschullandschaft in Salzburg nicht wegzudenken. Wir bieten neben der Ausbildung in der Primarstufe und unseren Kursen für die Sekundarstufen eine Vielzahl von hochwertigen Angeboten im Rahmen der Fort- und Weiterbildung für alle Lehrer:innen in Salzburg, aber teilweise auch österreichweit, für alle Schulstufen. Die Herausforderung in den nächsten Jahren wird darin liegen, aktuelle Bedarfe zu antizipieren oder rasch darauf zu reagieren und neue Initiativen zu entwickeln. Ein Schritt in diese Richtung ist die Gründung eines neuen Instituts an der PH Salzburg mit dem Titel „Impulse im Bildungsbereich“. Dieses Institut hat das Ziel, übergreifende Projekte im Bildungsbereich mit unterschiedlichen Kooperationspartner:innen zu initiieren und zu begleiten und somit zu Innovationen im Bildungsbereich beizutragen.

Wordrap

Das Bildungssystem in Salzburg ist ...
vielseitig und bietet interessante Arbeits- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten

Was Hänschen nicht lernt ...
das lernt Hans – womöglich mit angepassten Methoden und Lernwegen – später

Bildung umfasst ...
die Aneignung von Kenntnissen, um ein aktives, selbstbestimmtes Leben zu gestalten

Der Lehrberuf ist ...
eine sinnstiftende und abwechslungsreiche Tätigkeit

Das möchte ich noch lernen ...
neben Englisch und Latein noch weitere Sprachen

Mein Lebensmotto ...
Ich habe eine optimistische Grundhaltung, egal wie groß die Herausforderung ist

Mit dieser Person würde ich mich gerne unterhalten ...
mit dem amerikanischen Motivationsforscher Edward L. Deci