Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 27.04.2022

Wordrap mit Gundi Schirlbauer

Seit 1. Jänner 2022 leitet sie das Salzburger Heimatwerk im Herzen der Salzburger Altstadt. Ihr Ziel ist es, die Stärken des Heimatwerkes zu festigen und handgefertigte, nachhaltige Produkte zu forcieren.

Bild einzelportrait_102.jpg
(c) Salzburger Heimatwerk

Dass das Heimatwerk in seinen vielen Jahren nie dafür gestanden ist, nur Traditionen zu bewahren, davon ist Hildegund („Gundi“) Schirlbauer überzeugt. „Dann wären wir heute ein Museum“, sagt sie. Das Salzburger Heimatwerk ist ein Spiegelbild zeitgenössischen Schaffens mit Traditionsbezug und damit immer „am Puls der Zeit“. Umso mehr freut es die Leiterin, die Liebe zur Tracht, zum Handwerk und Brauchtum mit ihren Ideen zu bereichern und mit ihrem Team gemeinsam umzusetzen.


Unser Salzburg: Frau 
Schirlbauer, wofür steht das Salzburger 
Heimatwerk? 
Hildegund Schirlbauer: Auf den ersten Blick mag es wie ein Trachtengeschäft anmuten, doch das Salzburger Heimatwerk ist viel mehr und verfolgt eine weit größere Mission. Das Salzburger Heimatwerk ist eine als Handels- und Kultureinrichtung agierende Genossenschaft, deren Grundstein vor 75 Jahren gelegt wurde. Seitdem betrachten wir es als unsere Aufgabe, die volks- und alltagskulturellen Äußerungen unseres Kulturraumes zu fördern und sich dennoch Neuem nicht zu verschließen. Im Fokus unserer Aktivitäten stehen insbesondere die Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung überlieferter Traditionen aus dem Bereich Handwerk, Tracht, Brauch, Musik und Lied.

Warum ist es wichtig, (Salzburger) Traditionen der jungen Generation zu vermitteln und weiterzugeben?

Neun von zehn Österreicher:innen über 16 Jahren sind Traditionen wichtig (laut einer Umfrage vor fünf Jahren). Ich glaube, dass sich 
gerade in Krisenzeiten, wie wir sie gerade durch Corona hatten, unsere Werte und Traditionen wieder in den Vordergrund rücken und uns Halt und Stabilität geben. Am wichtigsten sind den Menschen Weihnachten, Silvester, Muttertag und Ostern – vorwiegend Traditionen, die stark vom christlichen Glauben geprägt sind. Aber gerade Bräuche wie zum Beispiel das Palmbuschenbinden bei uns im Heimatwerk schätzen die Salzburger:innen sehr und es freut mich, dass es heuer nach zweijähriger Pause endlich wieder stattfinden konnte.


Was bedeutet Ihnen Tracht? Warum erfreut sich Ihrer Ansicht nach die Tracht wieder so großer Beliebtheit?
Die Tracht gehört in der Stadt und im ganzen Bundesland zum 
Alltags-Outfit der Einheimischen. 
Die Bevölkerung hat immer schon ihre Tracht getragen. Auch die 
Salzburger Festspiele sind eng mit der 
Kleidung verquickt: Man trägt Tracht bei den Veranstaltungen, zumindest viele Einheimische. Die Salzburger:innen setzen stets auf Qualität bei den Trachten – und das findet man 
speziell bei uns im Salzburger Heimatwerk. Wir sind seit jeher um einen spielerischen und innovativen Umgang mit der Tracht als Teil der Mode und des Kleidungshandwerkes bemüht und wollen sie immer wieder zeitgemäß interpretieren. 
Wichtig ist auch hier die Öffnung zur heutigen Zeit, Kreativität, Dynamik, Leichtigkeit.


Im Salzburger Heimatwerk findet man auch eine Vielzahl an kunsthandwerklichen Kreationen. Welche Philosophie steckt dahinter?

Neben der Tracht liegen dem Heimatwerk auch Kunsthandwerk aus der Region und kulinarische Spezialitäten am Herzen. Viele Produkte kommen von Lebensmittelhandwerker:innen aus dem SalzburgerLand. Es ist schön, dass es Menschen gibt, die diese Köstlichkeiten mit Liebe auf hohem Niveau nachhaltig herstellen. Jedes Produkt hat eine Geschichte – so auch beim Kunsthandwerk. Ob per Hand bespannte Stoffschatullen, Porzellanschmuck aus dem Ausseerland, Naturlehmkeramik aus Niederösterreich oder die original Salzburger Gewürzsträußchen mit Klosterarbeit. In Handgemachtem steckt viel Können, Zeit und Liebe, es hebt sich von der Masse ab und bereitet gerade deshalb besonders viel Freude. Kunsthandwerk ist aber auch Ausdruck für eine Lebensphilosophie, die entschleunigend wirkt und regionale Wertschöpfung bringt. Wer sich für handwerkliche Kreationen begeistert, hat meist auch einen Blick für Details und schätzt Individualität abseits von Industrieware. Bei uns im Salzburger Heimatwerk findet man eine Vielzahl an kunsthandwerklichen Kreationen.


Was wünschen Sie sich für das 
Salzburger Heimatwerk?

Ich wünsche mir für das Salzburger Heimatwerk, dass es die nächsten Jahrzehnte und auch darüber hinaus erfolgreich bleibt und dass das Heimatwerk auch künftig kulturelle Impulse setzt, die eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sind. Neue Herausforderungen werden sich stellen, die es zu meistern gilt. Dabei wird das Wechselspiel zwischen Tradition und Innovation auch künftig eine kräftige Triebfeder sein. Daher versteht sich das Salzburger Heimatwerk nicht als Museum, sondern als gelebtes Zeugnis der Gegenwartskultur. Wir interpretieren Tracht neu und zeitgemäß.